...Schön und anziehend ist daneben die Aktmalerei von Achim R. Tandler, der Ausdruck, Bewegung und Körperproportionen ganz wunderbar abbildet...

(Aus der Rezension anläßlich der Ausstellung von Künstlern des Kunstvereins Neustadt an der Weinstraße im Wollmagazin, Kaiserslautern)

 “Die Rheinpfalz”, Montag, 21.03.2005

 

Seit Andy Warhol ist man geeicht auf Gesichter und Dinge, die nur mehr in Umrissen vorkommen, in den schönsten Popfarben zu Erkennungszeichen ihrer selbst geworden sind und nicht zuletzt dadurch den schnellen, zupackenden Blick des heutigen "Medienmenschen" brauchen. Auch Achim R. Tandler, dessen Serigrafien derzeit in einer Ausstellung des Neustadter Kunstvereins zu sehen sind, setzt darauf. Der rasche "Zugriff", das vermeintlich garantierte Wiedererkennen der eigenen Zeitgenossenschaft mit dem Dargestellten, das sind Voraussetzungen, dass seine Kunst funktioniert und auch erfreuen kann.
Dabei spielt bei ihm das Original, sprich: seine eigene, unverwechselbare Handschrift, freilich noch eine große Rolle, das heißt, er geht erkennbar nicht von Fotos aus, sondern verlässt sich auf seinen eigenen, unverwechselbaren Schwung. Und noch ein großer Unterschied besteht zu dem berühmten, inzwischen ja selber zur Ikone gewordenen "factory-owner" aus New York: Tandlers Blätter huldigen ausschließlich den Frauen, seine Neigung zum Seriellen bezieht sich bislang keineswegs auf Coca-Cola-Flaschen, Automarken, berühmte Personen wie Marilyn oder Mao, auf italienische Erinnerungen höchstens wie "Chiuso" oder "Tavolo verde".
Aber auch Tandlers Kunst ist durchaus ein Flirt mit dem Trivialen. Denn eindeutig identifizierbare Individuen sind "Carolyn", "Aisha", "Caprice", überhaupt seine Mädchen-Akte gleichfalls nicht, sondern viel mehr doch - zugegeben - höchst ansehnliche Frauen von heute, wie man sie auf Friseur-Plakaten, den Titelblättern von Frauenzeitschriften oder auch in soften Männermagazinen finden kann.
Einzig ihre Einsamkeit hat Tandler diesen Frauen wiedergegeben, beziehungsweise gelassen, und damit ihre Verletzlichkeit ins Bild gerückt, wie sie sich so grün, blau, rot, grau und widerstandslos in die ihnen vom Künstler vorgegebenen harten Konturen schicken. Aber sie entsprechen doch zweifellos dem zeitgenössischen Schönheitsideal der verführerischen Kindfrau, mit der halben Haarsträhne im Gesicht, dem leicht durchgedrückten Rücken, den vage blickenden Augen, so dass ganz leicht der Pawlow'sche Reflex des heutigen Betrachters befriedigt wird: Da ist nichts, was irritiert, nein.
So sind die Frauen heute, kein Problem. Und gerade die ungetrübten Farben, die gekonnte Konzentration auf den schieren Umriss, das schließliche "Einfrieren" der Schönen unter hochglänzend glatten Email-Oberflächen suggerieren die schiere Unveränderbarkeit der Verhältnisse.
Dennoch: Tandler legt seine Methodik innerhalb der Ausstellung offen, man muss nur der raffinierten Hängung seiner Bilder folgen. So sind die Blätter "Bellezza I bis III" am Anfang des Rundgangs bei genauerem Hinschauen nur in der Leere schwebende Masken und doch genau so hübsch und gefällig wie die anderen, "direkt gemeinten" Mädchengesichter. Und zum Schluss rundet sich mit der nur mehr "Figur I bis III" genannten Sequenz auch das Bild. Denn, so ließe sich Tandler interpretieren, das menschliche Antlitz ist auch nur eine unter geometrischen Gesichtspunkten zu realisierende Fläche.
Das sitzt! Und macht so die Frauengestalten auf den Serigrafien wieder zu höchst lebendigen, diesseitigen Wesen.

Gabriele Weingartner
”Die Rheinpfalz”, Dienstag, 01.10.2002

 

Expressiv-gestische Grafik, in deren Mittelpunkt der weibliche Körper steht, kraftvolle Strukturen und Farbflächen mit nackten Hintergründen, umgesetzt in der Technik der Serigrafie, des Siebdrucks, so lässt sich in Kürze das Schaffen von Achim R. Tandler beschreiben, der in Neustadt lebt, aber in der Alten Feuerwache in Mannheim arbeitet. Mit Erfolg: Tandlers Grafiken haben bereits auf zahlreichen Ausstellungen Anerkennung gefunden.
1959 in Ludwigshafen geboren, verschlug es Tandler 1998 nach Neustadt... Tandler ist Mitglied in den Kunstvereinen Neustadt und Coburg und pflegt private Kontakte zu internationalen Künstlern. Seit 1975 beschäftigt er sich intensiv mit der Fotografie, zunächst mit Portraits und Stillleben, zwischenzeitlich arbeitete er auch als Pressefotograf. 1991 dann erhielt er ein Stipendium an der Kunstakademie in Kecskemet in Ungarn. Mit der Serigrafie beschäftigt sich Tandler seit 1998. Er stellt immer Serien in kleinen Auflagen her. "Es war gut, in Ungarn neue Eindrücke zu sammeln, dort kamen Künstler aus der ganzen Welt zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, ihre Techniken und Kulturkreise zu vertreten", blickt Tandler auf die Anfänge seiner künstlerischen Entwicklung zurück. "Wir haben miteinander und voneinander eine Menge gelernt. Vor allem der östliche Einfluss der japanischen Kollegen und der Kunstschaffenden aus der früheren UdSSR waren prägende Eindrücke."
Tandler orientiert sich mit seinen Bildern stilistisch an den jungen Wilden und an den Künstlern der "Brücke". Er versucht bei seinen Darstellungen, persönliche Empfindungen in den Vordergrund zu rücken, diese zu einem charakteristischen Ausdruck zu verdichten...

 (jös)
Die Rheinpfalz”, 27.02.2002

 

"Sichtbarkeit und Sperrschicht" ist der Titel der Ausstellung mit neueren Arbeiten von Achim R. Tandler, die... im Haus Unikat in Eisenberg zu sehen ist. Im Mittelpunkt stehen dabei expressiv-gestische Grafiken, geschaffen mit der Technik der Serigraphie (Siebdruck).
 Was gleich auffällt, sind die plakative Bildsprache, die klar abgegrenzten Farben, Flächen und Konturen vor nacktem Hintergrund, die kraftvollen Striche, die Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit des Konzepts in den Bildern.
Auch, dass fast alle Arbeiten Porträts oder Akte von Frauen sind, die eine Faszination von Weiblichkeit oder weiblicher Form verraten, fällt dem Betrachter schnell ins Auge. Aber den Gesichtern und Gesten entzieht sich die Eindeutigkeit der Interpretation, je nach Betrachtungsweise sieht man Zuwendung oder Abwehr, Offenheit oder Sperren gegen den Blick des Betrachters. Der nackte Hintergrund der Arbeiten gibt keine Hinweise, er zwingt zur Konzentration auf das Eigentliche, Gesicht oder Körper, bedingt die Unmittelbarkeit der Bildwirkung. Tandlers Werke bestechen auch durch ihre Farbgebung, durch Vielschichtigkeit und ein gewisses Maß an Nüchternheit.
Klare Grenzen, feine Linien, und dies weit weg vom Begriff der Aktmalerei. Die Bilder bezaubern durch ihre Schlichtheit und Anmut, zeigen versteckte Schönheit, wobei es Tandler auch gelungen ist, das Element “Weiblichkeit" sehr deutlich heraus zu arbeiten, dabei jede sexistische Unterstellung zu vermeiden. So schafft er es, mit seinen Bildern beide Geschlechter anzusprechen, was die Besucher der Vernissage im Haus Unikat in ihren Meinungsäußerungen reflektierten...

Die Rheinpfalz”, 16.10.2001

 

© Achim R. Tandler